Abstract

Friedrich Müller - Nicki Marquardt - Rainer Höger - Dag Piper
Was das Gesicht über den Geschmack verrät

Zusammenfassung

Auf der Suche nach einem sprachfreien, objektivierbaren Indikator für das Gefallen von Geschmacksempfindungen wurde experimentell geprüft, wie gut es gelingt, die Geschmacksbeurteilung einer Probe allein am Gesichtsausdruck zu erkennen. Dazu wurde jeweils 10 Probanden im Blindversuch eines von 10 qualitativ unterschiedlichen Aromen auf die Zunge appliziert. Während sich der Geschmack der dargebotenen Aromen entfaltete, wurden die Gesichter der Probanden mit einer Videokamera gefilmt. Anschließend skalierten die Probanden anhand einer Visuellen Analogskala (VAS), wie angenehm oder unangenehm der Geschmack war. Vor Versuchs-beginn wurden einer Hälfte der Probanden Markierungspunkte über ausgewählten Gesichtsmuskeln auf die Haut geklebt. Die Videoauf-zeichnungen dieser Probanden wurden so bearbeitet, dass nur noch die Bewegung der Punkte, aber nicht mehr das Gesicht zu sehen war.

Die so insgesamt 100 gewonnenen Videosequenzen (jeweils 5 Punktegesichter und 5 natürliche Gesichter für jedes der 10 Aromen) wurden in zufälliger Reihenfolge 49 Beobachtern gezeigt. Die Beobachter beurteilten die Videosequenzen anhand der gleichen VAS danach, ob sie mit einer angenehmen oder einer unange-nehmen Geschmackswahrnehmung einhergingen. Das Ergebnis zeigt eine hohe Übereinstimmung der tatsächlichen hedonischen Bewertungen durch die Probanden mit den Interpretationen der Gesichtsausdrücke durch die Beobachter. Der korrelative Zusammenhang ist etwa gleich hoch, unabhängig davon, ob die Beobachter reale oder Punkte-gesichter beurteilten.

Inhalt

1. Einleitung
2. Mimischer Ausdruck hedonischer Geschmacksempfindungen
3. Durchführung der Untersuchungen
  3.1. Geschmacksbewertung und Videoaufzeichnungen
     3.1.1. Versuchspersonen
     3.1.2. Geschmacksstimuli
     3.1.3. Platzierung der Markierungspunkte
     3.1.4. Versuchsablauf
  3.2. Herstellen der „Punktegesichter“
  3.3. Beobachtung und Interpretation der Mimik
4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

  4.1. Bewertung der Geschmacksreize
  4.2. Geschmackserkennung
  4.3. Zusammenhang zwischen erlebter und der aus der Beobachtung des mimischen Ausdrucks erschlossenen Geschmacksempfindung
  4.4. Stimuluszentrierte Darstellung der Daten
5. Diskussion der Ergebnisse
Literaturverzeichnis

Autoren:

Prof. Dr. Friedrich Müller ist Professor am Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie an der Universität Lüneburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Psychophysik und Wahrnehmung. Zuvor arbeitete er an der Entwicklung psychologischer Messverfahren und in der wahrnehmungspsychologischen Forschung an der UniversitätWürzburg und in Düsseldorf.

Nicki Marquardt ist Diplom-Wirtschaftspsychologe (FH) mit den Forschungsschwerpunkten Soziale Kognition, Aufmerksamkeitsforschung und Entscheidungspsychologie.

Prof. Dr. Rainer Höger ist Professor für Arbeits- und Ingenieurpsychologie am Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Universität Lüneburg. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Experimentelle Psychologie, insbesondere im Bereich der visuellen Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsforschung, sowie der Unfallforschung. Zudem arbeitet er an der Übertragung psychologischer Prozesse auf Computersysteme (künstliche Intelligenz).

Dipl.-Kfm. Dag Piper ist Global Director of Sensory and Consumer Science bei der
Symrise GmbH & Co. KG in Holzminden.